Monday, November 26, 2007

Gedanken und Bemerkungen auf dem Weg zur Arbeit

Wenn man die Welt im theologischem (und nicht teleologischen) Sinne betrachtet, so ist sie laut Heiligen Schriften und deren späteren Editionen nichts anderes, als ein immerwährendes liturgisches Besingen von Gottes Schöpfung, ergo Besingen von Gott selbst. Gott hat (man merke das Fehlen des Konjunktivs I in diesem Satz) die Welt erschaffen, und er erfreut sich an seiner eignen Manifestation.

Also ist das menschliches Leben nichts anderes als die aktive Teilnahme an der Liturgie, eine aktive Zustimmung eigenen Fiktivität. Das heisst aber nicht, Gott sei eitel, wie einige zu vermuten glauben, denn man hört des öfteren die Meinung, Gott sei grausam und selbstverliebt, daher lasse er für sich ein Lobeslied singen.

Man lebt ergo singt ergo lebt, nur um das Singen nicht zu verlernen.

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Ein Obdachloser neben dem Modegeschäft, er steht jeden Morgen vor dem Eingang, ohne sich zu bewegen, mit der aufgezogenen Kaputze... Oft denke ich, es ist ein Mannequin, den man aus der Glasvitrine versetzte, weil er zu wenig glamourös war.

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Im Züge sitzend beobachtete ich einen kürzlich (vor einigen Jahren) entstandenen Menschen und seine Gebährerin.

Der Mensch betrachtete seine Umgebung des grossen Blickes und bewegte mit seinem Finger gen alle ihn faszinierenden Objekte und Subjekte.

- Mama, tütü! - sprach er, indem er zur U-Bahn auf der gegenüberliegenden Seite blickte.
- Да, Поезд, - korrigierte den Menschen seine Gebährerin in ihrer der Umgebung fremden Zunge.
- Mama, tütü! - wiederholte aber das Kind, ohne der babylonischen Sprachvewirrung Achtung schenken. Ja, führwar, Baby sprach Babylonisch...

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Im gleichen Zuge sass ein Pärchen, sie am Fenster, er neben dem Durchgang. Sein Rücksack schien vollgestopft zu sein, so dass er öfters Ballance zu verlieren schien und in den Durchgang zwischen den Sesseln umzukippen im Begriff war, doch jedesmal griff seine Herzallerliebste ihn am Kragen und stellte zurecht, so dass sie sich wieder küssten, ohne eine gravitationsbedingte Distanzierung zu erleiden.

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Ein Kollege und eine Kollegin versuchten unter dem Tisch in eine heimtückisch versteckte Mehrfachsteckdose mehrere Stromkabel einzuschliessen. Doch dies schlug stets fehl, aus welchen Grunden auch immer. So sah man die Füsse beider unter dem Tische liegen und hörte Dialoge, die eines Boccaccio würdig wären:
- Passt es?
- Nein, ich muss nochmals versuchen.
- Und, ist es drin?
- Nein, es ist irgenwdie unzugänglich.
- Versuche doch einbisschen mit Gewalt, bist doch ein Mann, müsste es ja klappen.
- Ja, jetzt war's fast drin.
- Und?
- Nein, wieder raus.
- Oh, ihr Männer...

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